Das Weinjahr 2026 begann im Rheingau mit einem ungewöhnlich milden und sonnigen Frühjahr. Gleichzeitig blieb der Niederschlag deutlich hinter den üblichen Mengen zurück. Auf den trockenen Frühling folgte ein heißer und sehr trockener Sommer – eine Herausforderung für Mensch und Rebe. Selbst der Rhein führte zeitweise so wenig Wasser wie selten zuvor und erreichte ein Rekordtief. Auch im Weinberg machte sich die Trockenheit bemerkbar. Die Trauben blieben zunächst vergleichsweise klein und benötigten länger, um ihre optimale Reife zu erreichen. Umso wichtiger waren die regelmäßigen Kontrollen unserer Weinberge und die sorgfältige Entscheidung, wann für jede Parzelle der richtige Zeitpunkt für die Lese gekommen war.
Auf Schloss Johannisberg fiel der Startschuss für die Weinlese am 20. August – so früh wie noch nie in unserer Geschichte. Den Auftakt machten die Chardonnay-Trauben für unseren Winzersekt. Wenig später rückte das Herzstück unseres Weinguts in den Mittelpunkt: der Riesling des Schlossbergs. Innerhalb von drei Wochen wurden die Trauben sorgfältig von Hand gelesen und nur das Lesegut eingebracht, was unseren Qualitätsansprüchen entsprach. Trotz der Herausforderungen zeigte sich im Laufe der Lese das besondere Potenzial dieses Jahres. Ein ganz besonderer Höhepunkt: Wir konnten sogar eine Trockenbeerenauslese lesen. Damit hält das Weinjahr 2026 neben seinen Herausforderungen auch einen außergewöhnlichen Schatz für uns bereit.
Mit dem Abschluss der Lese beginnt nun im Keller die nächste spannende Phase. Im historischen Schlosskeller, in Stückfässern aus schlosseigener Eiche und in Stahltanks, beginnt nun die Reife für unsere Rieslinge. Die ersten Moste haben ihre Gärung bereits begonnen und entwickeln sich Schritt für Schritt zu den Weinen des neuen Jahrgangs. Wer genau hinhört, kann diese Entwicklung sogar hören – denn im Keller blubbert es bereits fleißig. Jetzt ist die Zeit, in der sich die Aromen ausbilden und der Wein sein typisches Geschmacksprofil entwickelt. Unser Kellerteam begleitet diesen Reifeprozess mit hoher Sensibilität und verübt mit sorgsamer Handarbeit wahre Kunst im Keller. Je nach Qualitätsstufe kann der Reifeprozess bis zu 30 Monaten dauern, und jede Verkostung des Rieslings auf diesem Weg ist ein Erlebnis für uns. Damit unsere Riesling nun ihr volles Potenzial erreichen können, gewähren wir ihnen viel Ruhe.
Noch ist es zu früh, um zu sagen, welche Geschichten die Weine des Jahrgangs 2026 am Ende erzählen werden. Fest steht aber schon jetzt: Es war ein intensives, herausforderndes und zugleich besonderes Weinjahr, das uns einmal mehr gezeigt hat, wie eng Wein mit der Natur verbunden ist.
