28. September 2020

Weinlese Report 2020

Endlich ist es soweit – in einem ereignisreichen Jahr sind nun alle Erntehelfer gesund bei uns angekommen und die Lese auf Schloss Johannisberg hat bei Traumwetter begonnen. Nach 1809 Sonnenstunden in unserer Region (Quelle: wetterkontor.de) sind unsere Rieslingtrauben top gesund und im Bestzustand . Am 22. September starteten wir mit dem Weinfeld Oberberg.

Wie Perlen aus einem Füllhorn kullern die Trauben in den Wagen und lassen erahnen welche großartigen Weine daraus werden.

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Anschließend war unsere Parzelle Kochsberg an der Reihe – eine Junganlage die 2013 bepflanzt wurde. Die Rieslingtrauben weisen eine Öchslegread von 92,5 Grad auf.

„Super gesunde Trauben“ bestätigt auch unser langjähriger und erfahrener Mitarbeiter Thomas Sengler an der Traubenannahme und weiter schätzt er die Mostausbeute als guten Durchschnitt ein. „Es gibt nix zum Meckern“ schmunzelt er.

Neuer Tag – neues Glück:
Am 23.September war dann ein Teilbereich des Weinfeldes Langender an der Reihe. Auch hier waren die Öchslegrad mit 92 Grad sehr zufriedenstellend.

Chefsache: Nicht nur als Weingutsleiter ist Stefan Doktor zielsicher unterwegs, auch die Fahrt mit der kostbaren Ladung in`s Kelterhaus bewältigt er bravourös und mit glücklichem und zufriedenem Lachen.

In der Parzelle „Mäuerchen quer“ entsteht unserGran Cru mit perfekten 95° Oechsel – Ziel erreicht. Hier wird durch Kälte-Mazeration alles aus den Beeren geholt.

Nach dem verregneten Wochenende geht es am Montag mit einem freundlichen Sonnen-Wolken-Mix auf dem südöstlichen Teil des Weinbergs weiter. Per heute sind ca. 60% der Trauben geerntet. Der Reife- und Gesundheitszustand der Trauben sind Top.

Weingutsleiter Stefan Doktor begutachtet die geernteten Traben.

Eine Fahrt durch die flachen Gewanne Merzackerweg, die allesamt bereits gelesen sind.
Es ist unser einziges Weinfeld mit Kordonerziehung. Die Kordonerziehung wurde aus dem gleichnamigen Dorf in Frankreich nahe Paris überliefert und ist heute die meist genutzte Methode der Rebenerziehung. Sie wird auch oft als Fassadenbegrünung genutzt. Für uns ist diese Methode ein Versuch und bisher hat sich unsere Junganlage prächtig entwickelt.

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Bei sehr abwechslungsreichem Wetter nahm die Lese in den vergangenen vierzehn Tagen ihren Lauf. Die Qualität der Trauben war durchgehend gut. Auch die Oechslegrade sind im guten Mittelmaß. So richtig spannend geht es jetzt im Kelterhaus zu. Im ersten Morgengrauen sieht noch alles blitzblank und fast schon steril aus und vor allem ist es noch sehr leise…

Aber schon bald wird die Maschinerie in Gang gesetzt. Die ersten Trauben rollen an und eine freudige Hektik verbreitet sich. Bei jeder Lieferung wird das Traubengut begutachtet und der Oechslegrad gemessen. Je nach Qualität und Reifegrad der Trauben entscheidet sich, wie mit den Trauben weiter verfahren wird. Werden sie entrappt und anschließend schonend und zeitaufwendig gepresst, oder erfordert das komplette Traubengut eine zügige Verarbeitung.
Entrappen bezeichnet das Entfernen der Beeren vom Traubengerüst der Weintrauben. Man verhindert damit, dass die im Traubenstiel enthaltenen Gerbstoffe in den Wein gelangen.

Die tolle Qualität der Trauben Anfang der dritten Woche der Lese überzeugte unseren Kellermeister Gerd Ritter, mit einem Teil des Lesegutes eine Kaltmazeration zu starten.
Dabei bleibt der Most bei kühler Temperatur ungefähr drei Tage im Gärbehälter, um so schonend wie möglich alle Aromen aus den Trauben zu extrahieren, Die niedrige Temperatur verhindert, dass die Gärung startet, siehe erstes Foto. Das Bild in der Mitte zeigt den Traubenkuchen nach drei Tagen Standzeit.
Anschließend wird per Hand und mit viel Mühe der flüssige Saft abgesaugt und erst dann die Trauben schonend gepresst.

Nach der Pressung kommen dann alle Weine zur Gärung in unseren Keller.
Im traditionellen Holzfasskeller, der auf das 1100 Jahrhundert zurück geht, stehen Stückfässer die aus den Eichen, die in unserem Schlosswald gewachsen sind, hergestellt werden.
In dem sonst so ruhigen und beschaulichen Keller geht es derzeit turbulent zu … in den Gärkolben spielt die Musik der Gärung, die unsere Praktikantin Vasiliki täglich überprüft.

Gleich um die Ecke in den alten Gemäuern ist der moderne Edelstahlfasskeller. Und auch hier ist die Kontrolle tägliche Arbeit. Ganz versteckt, aber mitten im Geschehen ist das Büro unsere Kellermeisters Steffen.

Eine Besonderheit ist die Pressung der Trockenbeerenauslese. Ihr Aussehen entspricht mehr einer Rosine als dem einer Traubenbeere.
Die vollreifen und edelfaulen Beeren wurden zunächst einzeln von der Rebe ausgelesen und in diesem Jahr mit hervorragenden 230 Oechslegrad gemessen.
Auch hier erfolgte eine Kaltmazeration.
Nach ein paar Tagen packte unser Kellermeister Gerd Ritter sie zu quadratischen Päckchen in Baumwolltücher zusammen, stapelte sie zwischen Holzplatten übereinander, um sie dann anschließend vorsichtig mit Druck zu pressen. Tröpfchen für Tröpfchen zeigt sich der Rebensaft und wird in der Wanne gefangen. Nach all diesen Arbeitsschritten beginnt nun alkoholische Gärung.

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Ende gut alles gut!
Nachdem die Ernte nun gelesen ist, sind alle Erntehelfer gesund abgereist.
Für uns ist das Anlass sich bei allen Beteiligten zu bedanken – für die Arbeit unter den erschwerten Bedingungen, die Disziplin, die tagtäglich eingehalten wurde und vor allem für das freundschaftliche Miteinander.
Das Lesegut hat uns belohnt – durchweg gesunde Trauben mit durchschnittlich 87 bis 93 Oechsle Grad und zufrieden stellenden Säurewerten.
Kellermeister Gerd Ritter: „2020 hat das Potential für einen sehr guten Jahrgang“.
Das freut uns sehr, insbesondere in unserem Jubiläumsjahr „300 Jahre Riesling auf Schloss Johannisberg“. Warten wir es mit Spannung ab und freuen uns im nächsten Jahr auf tolle Weine vom ältesten Rieslingweingut der Welt.
Uns bleibt für den Moment das Lieblingsmotto von Sarah Vogelgesang, Leiterin Standordmanagement, in diesem Jahr:
„Der Riesling kann die Welt nicht retten, aber den Tag schon.… „


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